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Radlagerschaden

Es gibt so Dinge, die mein Herz höher schlagen lassen. Ein Sonnenuntergang am Meer, eine laue Nacht im Wald, Esel streicheln oder auch montags morgens auf der Autobahn kurz vor Arbeitsbeginn liegen zu bleiben.

Aber eins nach dem anderen. 
Was war geschehen?

Beim Losfahren hatte ich so 2-3 Mal das Gefühl der Wagen würde etwas unpräzise lenken. Ich schob all das auf die schlechten Straßen und die 255er MTs. Also ab auf die Autobahn und im halsbrecherischen Tempo von immerhin fast 110 Km/h auf der mittleren Spur an den LKW vorbei. Plötzlich begann der Landy schwammig zu lenken und zu wobbeln. Die Spur zu halten war nur unter Mühe möglich. Es fühlte sich an als würde sich das rechte Vorderrad langsam aber sicher vom Rest des Autos lösen (gar kein schönes Gefühl). Jetzt vorsichtig von der mittleren Spur auf den Standstreifen und ausrollen lassen. Testlenkimpulse ließen einen an merkliches Spiel im vorderen Rad rechts spüren. 
Warnblinker an und im Schneckentempo an die nächste Notrufsäule. Weste an, auf die rechte Seite und da roch man es schon. Es roch nach heißem Öl und viel zu heißem Stahl. Die Radnabe war kochend heiß und beim Wackeln am Auto war ein gehöriges “BONK” und viel Spiel zu vernehmen. Jetzt war klar, dass es der Dicke nicht mehr aus eigener Kraft von der Autobahn geschweige denn zur Arbeit schaffen würde. 
Gut wenn man jetzt in einem Autoclub ist. Nummer gewählt und schon 40 Minuten später hatten der Dicke und ich eine Mitfahrgelegenheit zur Arbeit. Nach dem nächsten Arbeitstag machte ich mich dran den Fehler zu suchen. Das Radlager war von vornherein unser Hauptverdächtiger. 
So war es dann auch, das Radlager hatte sich komplett in seine Einzelteile zerlegt, war teilweise mit dem Achsstummel verschweißt und hat die Radnabe auch noch in Mitleidenschaft gezogen. Jetzt stellte sich heraus, dass die “Ich stopf da mal eben neue Radlager rein und denn is’ gut”-Aktion doch etwas umfangreicher wurde. Ein neuer Achsstummel, eine neue Radnabe, 2 Radlager, Simmerringe, Dichtungen und natürlich der Bronzering für die Radnabe sowie allerlei Kleinkram mussten neu. Jetzt könnte man natürlich sagen: “WAS FÜR EINE VERMALEDEITE ESELSCH…” Habe ich auch. Aber kurz darauf dachte ich mir: “Endlich mal wieder schrauben! Und dieses Mal nicht eine kosmetische Reparatur (siehe Türscharniere) sondern etwas, dass wirklich gemacht werden muss.” Viel besser ist es natürlich wenn man hier beim ALLRAD-KONTOR das Reparaturinteresse des Jörg weckt. Dieser ist nicht nur unser Profi für Ersatzteile und Serien, der hat früher auch professionell an eben jenen geschraubt und hatte bock auf Schrauben. 
Das war auch gut, denn das Werkstatthandbuch hilft einem nicht an jeder Stelle. Ein Problem ist nämlich, dass das Lager für die Achsnabe (ein sehr filigranes Nadellager) in den Achsstummel muss. Mit viel Druck ist da nichts zu machen. Also haben wir uns einem Trick und der Küche im Pausenraum bedient.

Der Koch empfiehlt: Für einen gelungenen Achstummel mit Nadellager den Stummel mit Simmering bei geringer Hitze für 10-15 Minuten auf dem Herd garen, bis dieser sehr warm aber nicht heiß ist. (Der Stummel wird nicht gewendet und nur die Lagerseite wird gebraten). Wir wollen keine Röstaromen durch einen geschmolzenen Simmering. 
Während der Stummel gart können das Nadellager und die Radlager im Gefrierschrank auf den nächsten Zubereitungsschritt warten. Es empfiehlt sich parallel das Radlager und den Bronzering aus der Verpackung zu schälen und auf einer weiteren Kochplatte auch schon einmal anzugaren. Nun mit einem Topflappen den Achstummel auf die Arbeitsplatte heben und das kalte Nadellager aus dem Gefrierschrank holen. Das Nadellager lässt sich jetzt mit sehr wenig Druck und ein wenig Fett in eine dafür vorgesehene Position drücken. 
Während der Achsstummel nun abkühlt, kann man die Radlager schon mal in die Radnabe buchsieren. Dieser Vorgang kann etwas störrischer sein. Zum Einschlagen dieser Lager hilft es, ein altes Radlager als Führung zu verwenden. Auch hier empfiehlt sich etwas Fett als Flutschhilfe. Umgekehrt verhält es sich jetzt mit dem Bronzering. Der warme Ring flutscht ganz ohne Öl auf den Stummel und nun können wir wieder ganz nach dem Werkstatthandbuch den Rest zusammenfrickeln.
Radlagerschaden